SANTA FE (ISIS), 21. Oktober 2026. Der US-Bundesstaat New Mexico hat eine Zivilklage gegen Darren Indyke, den langjährigen Anwalt Jeffrey Epsteins, und Richard Kahn, dessen früheren Buchhalter, eingereicht. Generalstaatsanwalt Raúl Torrez wirft den beiden Männern vor, Epsteins kriminelle Aktivitäten unterstützt und dazu beigetragen zu haben, diese zu verschleiern. Mit dem Verfahren will der Bundesstaat verhindern, dass Indyke und Kahn finanzielle Leistungen aus dem Nachlass des 2019 verstorbenen Sexualstraftäters erhalten.
Die Klage wurde am Mittwoch eingereicht und richtet sich sowohl gegen die beiden Männer persönlich als auch gegen den Nachlass Epsteins und den mit dessen Vermögen verbundenen 1953 Trust. Nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft sollen die Beklagten von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Epstein finanziell profitiert und zur Aufrechterhaltung seiner Aktivitäten beigetragen haben.
Torrez erklärte bei einer Pressekonferenz, die verbliebenen Vermögenswerte sollten den Überlebenden von Epsteins Missbrauch zugutekommen. Die Klage zielt darauf ab, eine Auszahlung an Indyke und Kahn während des laufenden Verfahrens zu verhindern.
Millionenbeträge aus Epsteins Nachlass
Indyke und Kahn gehörten über Jahre zu Epsteins engsten geschäftlichen Vertrauten. Indyke arbeitete seit 1996 als Anwalt für ihn, Kahn war seit 2005 als Buchhalter tätig. Beide fungieren als gemeinsame Nachlassverwalter.
Nach früheren CNN-Berichten sah Epsteins Testament Vermächtnisse in Höhe von 50 Millionen US-Dollar für Indyke und 25 Millionen US-Dollar für Kahn vor. Die nun eingereichte Klage stellt die Frage in den Mittelpunkt, ob die beiden Männer trotz ihrer mutmaßlichen Rolle im Umfeld Epsteins Ansprüche auf entsprechende Vermögenswerte geltend machen dürfen.
Die Vorwürfe betreffen unter anderem die geschäftlichen und finanziellen Strukturen, die Epsteins Aktivitäten über Jahre ermöglicht haben sollen. Die Generalstaatsanwaltschaft argumentiert, dass seine Verbrechen nicht ohne die Unterstützung weiterer Personen und professioneller Dienstleister hätten fortgeführt werden können.
Indyke und Kahn haben jegliche Kenntnis von Epsteins Sexualstraftaten sowie eine Beteiligung an dessen Menschenhandelsoperation zurückgewiesen. Bei früheren Befragungen vor dem US-Kongress erklärten beide, nichts von den Straftaten gewusst zu haben. Eine strafrechtliche Verurteilung der beiden Männer wegen einer Beteiligung an Epsteins Verbrechen liegt in diesem Zusammenhang nicht vor.
Ermittlungen zur Zorro Ranch werden ausgeweitet
Das Verfahren steht im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen zu Epsteins ehemaligem Anwesen Zorro Ranch in New Mexico. Der weitläufige Besitz südlich von Santa Fe steht seit Jahren im Mittelpunkt von Aussagen über mutmaßlichen sexuellen Missbrauch und Menschenhandel.
Torrez hatte die strafrechtlichen Ermittlungen zu dem Anwesen im Februar wieder aufgenommen. Neue Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch Unterlagen, die das US-Justizministerium im Zusammenhang mit Epstein veröffentlicht hatte. Darin enthalten war unter anderem eine E-Mail aus dem Jahr 2019 mit unbestätigten Behauptungen über zwei ausländische Mädchen, die angeblich auf Anweisung Epsteins und einer weiteren Person begraben worden seien. Die Angaben sind nicht als bestätigte Tatsachen zu verstehen.
Im Rahmen der Ermittlungen durchsuchten die Behörden das Anwesen. Parallel dazu untersucht eine parteiübergreifende Kommission des Parlaments von New Mexico mögliche Straftaten im Zusammenhang mit Zorro Ranch. Die Kommission hat bereits mehrere Vorladungen ausgesprochen.
Torrez führt zudem ein separates Verfahren gegen das US-Justizministerium und den amtierenden US-Justizminister Todd Blanche. Darin wirft er der Bundesbehörde vor, für die Ermittlungen relevante Informationen zurückzuhalten. Die Auseinandersetzung betrifft insbesondere den Zugang zu nicht geschwärzten Unterlagen aus den Epstein-Akten.
Weitere rechtliche Verfahren möglich
Indyke und Kahn sehen sich neben der neuen Klage weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen gegenüber. Überlebende von Epsteins Missbrauch haben bereits in mehreren Verfahren Entschädigungsansprüche geltend gemacht. Zudem stehen die beiden Männer Medienberichten zufolge im Fokus bundesstaatlicher Ermittlungen.
Mit der neuen Zivilklage versucht New Mexico, mögliche finanzielle Ansprüche der beiden Nachlassverwalter überprüfen zu lassen und eine Auszahlung von Vermögenswerten zu verhindern. Ob die Vorwürfe vor Gericht Bestand haben und wie über die Verteilung des Nachlasses entschieden wird, ist derzeit offen.
Das Verfahren ist Teil der fortdauernden juristischen Aufarbeitung von Epsteins Verbrechen und der Frage, welche Verantwortung Personen aus seinem geschäftlichen Umfeld tragen könnten.
